Kaimauersanierung in der Speicherstadt

Hamburger Wahrzeichen und historisches Monument in einem: Gäste und Ortsansässige lieben und schätzen das UNESCO-Welterbe Speicherstadt. Allerdings wurden die denkmalgeschützten Kaimauern seit ihrer Errichtung (1880 – 1920) stark geschwächt. Um die Kaimauern langfristig zu erhalten, sind deshalb umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig.

Kaimauersanierung in der Speicherstadt


Kaimauersanierungen in der Speicherstadt



Was passiert bei den Sanierungsmaßnahmen? Warum sind diese notwendig? Wer führt sie überhaupt durch? Kinderleicht für alle Zielgruppen aufbereitet, führt das Erklärvideo durch alle Fragen rund um das Thema "Sanierungsmaßnahmen an den Kaimauern der Hamburger Speicherstadt".





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Warum müssen die Kaimauern in der Speicherstadt saniert werden?

Grund ist die langsam fortschreitende bakterielle Zersetzung der schrägen und vertikalen Gründungspfähle aus Kiefernholz im äußeren Bereich des Holzes (dem sog. Splintholz) und eine Vertiefung der Fleetsohle um einen Meter. Darüber hinaus sorgt der vergrößerte Tidenhub (Differenz zwischen Tidehoch- und Niedrigwasser) für zusätzliche Belastungen. Die Kaimauern begrenzen die Fleete und stellen die Verlängerung der Fassaden der Speichergebäude dar.

(Bildquelle: M+O Projektkontor)


Wer macht eigentlich was bei der Kaimauersanierung?

Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) der Freien und Hansestadt Hamburg ist Eigentümer fast aller Speichergrundstücke und koordiniert als Bauherr die Sanierungsarbeiten in der Inneren Speicherstadt sowie am südlichen Ufer des Zollkanals. Dazu hat der LIG die ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft mbH beauftragt, die die Sanierungsmaßnahmen umsetzt.
Außerdem stimmt der LIG die Zusammenarbeit mit den weiteren städtischen Behörden sowie Unternehmen ab und bringt die verschiedenen Anforderungen – z. B. Denkmalschutz, Tourismus, Wirtschaftlichkeit, etc. – miteinander in Einklang.

Unser gemeinsames Ziel ist es, die Speicherstadt auch für die nächsten Generationen zu erhalten.


Wie werden die Kaimauern der inneren Speicherstadt saniert?

Um die Kaimauern nach dem heutigen Sicherheitsstandard wieder standsicher zu machen, werden im Bereich der inneren Speicherstadt drei grundsätzliche Ertüchtigungsmaßnahmen angewendet, die den Erhalt der historischen Ansichten und ikonischen Fluchtperspektiven ermöglichen:

• Rückverankerung der Kaimauern mittels neu eingebrachter Schrägpfähle
• Anhebung der heutigen Fleetsohle um voraussichtlich bis zu ca. 1,0 m in der Fleetmitte und 1,5 m in den Randbereichen
• Baugrundverbesserungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Kaimauern: Bei dieser Maßnahme werden 2020 im Rahmen der sog. Vorabmaßnahme vorbereitend für die Sanierung der Kaimauern in der gesamten Speicherstadt zwei innovative – in Bezug auf den Anwendungsfall deutschlandweit neuartige – Verfahren zur Baugrundverbesserung ergebnisoffen erprobt: Massenstabilisierung und ein Bodenaustausch.

Darüber hinaus werden das Mauerwerk, die Einbauteile, der Dämmer und die Holz-Spundwände der Kaimauern instandgesetzt.


Wie werden die Kaimauern am Zollkanal saniert?

Im Gegensatz zu den Kaimauern entlang der Fleete der inneren Speicherstadt sind die Kaimauern am Zollkanal nicht mit Speichern überbaut. Sie befinden sich an Verkehrsflächen. Dies ermöglicht vergleichsweise einfachere, herkömmliche Sanierungsmöglichkeiten. Die Ertüchtigung der Uferwände erfolgt in der Regel durch den Einbau einer Spundwand. Diese kann entweder landseitig der vorhandenen Kaimauer eingebaut werden, wodurch ein Erhalt der Ansicht der historischen Kaimauern möglich ist. Alternativ kann die Spundwand wasserseitig, als sogenannte Vorsetze eingebaut werden. Die Mauerwerksansicht kann in diesem Fall nachgebildet werden.
Die Art der Ertüchtigung, land- oder wasserseitig, wird im Einzelfall zwischen den planenden Ingenieurinnen und Ingenieuren und den Vertreterinnen und Vertretern des Denkmalschutzes abgestimmt. Bei der Entscheidung werden beispielsweise die Anforderungen des Denkmalschutzes, die bautechnischen Herstellungsrisiken und die Kosten abgewogen.


Was passiert bei der aktuellen Vorabmaßnahme?

Bodenaustausch
Bodenaustausch Bei dem Bodenaustausch wird der Weichboden unterhalb der Fleetsohle gegen geeigneten Sand ausgetauscht. Das macht den Baugrund im Erdwiderlagerbereich der Kaimauern tragfähiger und stabiler. Dafür werden in vor der Kaimauer rund zwei Meter breite, aneinandergereihte senkrechte Spundwandkästen hergestellt und bis an die vorhandene Kaimauer herangeführt.
Anschließend wird der Boden zu einer Tiefe von 4,5 Metern ausgehoben. Das passiert abschnittweise innerhalb der schmalen Spundwandkästen, um mögliche begleitende Kaimauerbewegungen zu minimieren. Nach Entfernung des Weichbodens bis zur erforderlichen Tiefe wird der entstandene Raum mit tragfähigem Sand verfüllt. Diese Vorgehensweise wird Kasten für Kasten in vorgegebener Reihenfolge fortgesetzt, bis auf der Gesamtlänge der Maßnahme der Weichboden entfernt und durch Sand ersetzt ist.




Baugrundverbesserung durch Massenstabilisierung
Massenstabilisierung Bei der Massenstabilisierung wird unterhalb der Fleetsohle eine labortechnisch ermittelte Menge Zement in die Weichböden im Niederdruckverfahren eingefräst. Zuvor wird eine etwa einen Meter starke Pufferschicht aus Sand auf die zu verbessernden Weichböden aufgebracht, um das Ausblasen des Zements in das Gewässer zu minimieren Zusätzlich soll eine mobile Einhausung der Fräse innerhalb des Gewässers erprobt werden. Der Zementeintrag erfolgt säulenförmig nach einem vorgegebenen Muster, um das Erdwiderlager während der Maßnahme möglichst minimal zu schwächen. Hierzu wird der Fräskopf bis zur geplanten Tiefe kreisförmig eingebracht. Beim anschließenden Hochziehen der Bohrfräse wird die definierte Zementmenge in den gelockerten Boden mittels Druckluft im Niederdruckverfahren eingeblasen. Der Zementeintrag endet unter dem eingebauten Sandpuffer.



Neben der Verfahrenstechnik wurden in der Planungsphase insbesondere auch die Umweltaspekte abgestimmt. Bei der Massenstabilisierung besteht, trotz des aufgebrachten Sandpuffers und der zu erprobenden Einhausung, die Möglichkeit, dass Zement in das Gewässer austreten kann und der pH-Wert des umgebenden Wasserkörpers erhöht wird. Mit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) wurde daher in enger Abstimmung eine Überwachung des pH-Werts und weiterer Umweltparameter vereinbart.

(Grafiken: Ramboll Holding GmbH)


Welche Auswirkungen haben die Maßnahmen?

Selbstverständlich wird versucht, die Beeinträchtigungen für angrenzende Mieter, Tourismus und Gewerbe während der Bauphase so gering wie möglich zu halten. Dennoch müssen die betroffenen Fleetabschnitte während der Baumaßnahmen für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Eine touristische Nutzung der Speicherstadt für Barkassentouren bleibt über die übrigen Routen möglich.


Welche Sanierungsmaßnahmen sind bereits erfolgt?

Die Sanierungsarbeiten vor dem Speicher D 6, vor dem Zollamt 4 sowie am Brook mussten aufgrund starker Schäden vorgezogen werden. Sie konnten 2019 bereits erfolgreich abgeschlossen werden.


Wie wird die Speicherstadt nach den Sanierungsmaßnahmen aussehen?

Das maßgebliche gestalterische Planungsziel für die Sanierung der Kaimauern an den Fleeten der inneren Speicherstadt besteht im Erhalt der historischen ikonischen Bauwerksfluchten aus den Speichern und Kaimauern. Nach Sanierung der Kaimauern ist zudem, im Rahmen der Neuordnung der Erschließung in der Speicherstadt, u.a. die Herstellung einer Promenade am Zollkanal und die Neugestaltung des Kehrwiederplatzes vorgesehen.


Was passiert gerade?

Aktuell werden Sanierungen an den Kaimauern des Speichers L33 — gegenüber des Miniatur Wunderlands Hamburg — durchgeführt. Diese Maßnahme wurde vorgezogen, da parallel durch die HHLA (Eigentümer der Speicherblöcke) eine Verbindungsbrücke für das Miniatur Wunderland exakt oberhalb des rd. fünf Meter langen Sanierungsabschnitts der Kaimauer errichtet wird.
Ende Januar 2020 beginnen die durch den LIG koordinierten wasserseitigen Arbeiten der ReGe . Mikropfähle und ein vorübergehender Stahlbau sollen der Speicherfassade Halt geben, damit anschließend die Arbeiten an der Kaimauergründung sicher durchgeführt werden können. Parallel beginnt die HHLA mit den eigenen Gründungsarbeiten für die Brücke und andere Bauteile im Keller des Speichers. Anschließend wechseln die Tätigkeiten des LIG von der Wasserseite in den Keller, um dort eine neue Pfahlgründung für die Kaimauer und die Gebäudefassade herzustellen.



Zeitplan: Vom Bau der Kaimauern in der Speicherstadt bis zur Sanierung


Die Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt und gehört zum UNESCO-Welterbe. Die denkmalgeschützten Kaimauern begrenzen die Fleete und stellen die Verlängerung der Fassaden der Speichergebäude dar. 

vergrößern Sanierungsarbeiten in der Speicherstadt (Bild: LIG)




1880 bis 1920
Die Kaimauern wurden zwischen 1880 und 1920 entlang der Fleete der inneren Speicherstadt errichtet
1945
Durch Kriegsbomben im zweiten Weltkrieg entstanden auch in der Speicherstadt teils massive Schäden, wie hier an Speicher L34 schräg gegenüber dem heutigen Miniatur Wunderland. Der Speicher ist komplett zerstört worden. Auch die angrenzenden Kaimauern erlitten Schäden an den Tragpfählen.  
1950er (vermutlich)
Es wurden Sanierungsmaßnahmen an den Kaimauern der Speicher L33 und D6 mittels Betonpfählen und –balken durchgeführt.
2013
Beginn der Recherche und Sichtung der historischen Unterlagen. Start diverser Voruntersuchungen zum Sanierungsbedarf der Kaimauern (z.B. Holz-, Boden-, Mauerwerksgutachten). Aufbau eines komplexen statischen Modells zur Bewertung der Standfestigkeit der Kaimauern.


2017

Einsetzung eines behördenübergreifenden Projektes zur konkreten Sanierungsplanung.
2019
Sanierungsarbeiten vor dem Speicher D 6, vor dem Zollamt 4 sowie am Brook konnten als notwendige vorgezogene Sofortmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden
2020
Die Sanierungsmaßnahmen an Speicher L33 werden aufgrund der parallel durch die HHLA zu errichtende Verbindungsbrücke des Miniatur Wunderlandes vorgezogen. 
2020 bis 2021
Beginn der Maßnahmen in den Speicherabschnitten P, Q und R
2028
Letzte Sanierungsmaßnahmen an den Kaimauern im Bereich des Zollmuseums, Abschluss der Maßnahmen
2030
Fertigstellung einer Promenade entlang des Zollkanals und Abschluss der Neuordnung der Erschließung.